Bewegungsfreiheit

BewegungsfreiheitQuelle: pixelio.de Durch eine eingeschränkte körperliche Beweglichkeit büßen viele alternde Menschen in der Folge an Selbständigkeit ein. Zudem gehört der Sturzunfall zu einem der größten gesundheitlichen Risiken im Alter. Durch die spröde Knochensubstanz kommt es schneller zu Frakturen und nicht selten werden ältere Leute erst durch die Folge eines Sturzes zum Pflegefall.

Hier sieht der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) erhöhten Handlungsbedarf. Das Wohnumfeld sollte präventiv stärker an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst werden. Das betrifft sowohl Privatwohnungen als auch Heimeinrichtungen.

Neben der Vermeidung von Sturzgefahren steht die Beseitigung von Barrieren im Vordergrund der Bemühungen, um die Bewegungsfreiheit und damit die Selbständigkeit alter Menschen zu verbessern.

Vermeidung von Sturzrisiken

Der DBfK hat angeregt, dass entsprechend eines dänischen Modells das sogenannte "geriatrische Assesment" in die Regelversorgung aufgenommen werden sollte. Ein präventiver Hausbesuch kontrolliert die Wohnung des alternden Menschen auf mögliche Sturzursachen. Dies können zu glatte Böden, rutschende Teppiche, Schwellen und Kanten, blanke Badewannen oder Duschkabinen sein.

In Alten- und Pflegeheimen gehört der Sturz aus dem Bett zu den häufigsten Sturzunfällen. Geeignete Bettkonstruktionen und eine durchdachte Organisation der Erreichbarkeit verschiedener Dinge vom Bett aus können solche Unfälle verhindern. (siehe auch "anthropometrische Barrieren" weiter unten)

Befreiung von Barrieren

Sowohl in der häuslichen Wohnung als auch in Heim- und Pflegeeinrichtungen können verschiedene Barrieren zur Unselbständigkeit führen. Oftmals helfen schon kleine Umbauten, um solche Barrieren aus dem Weg zu räumen. Hier eine kurze Übersicht:

Vertikale Barrieren

Hierzu gehören die Klassiker Treppenstufe und Bordsteinkante. Für alle Personen, die eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl benötigen, kann eine Schwelle zur unüberwindlichen Mauer werden. Hier hilft vor allem der Einsatz von Schrägen und Rampen.

Horizontale Barrieren

In der Breite entstehen Barrieren vor allem, wenn Türen oder Durchgänge zu eng werden, etwa weil der Bewohner an einen Rollstuhl gebunden ist. Wenn das Herausnehmen der Tür nicht hilft, muss über einen größeren Wanddurchbruch nachgedacht werden.

Räumliche Barrieren

entstehen da, wo man sich nicht mehr "drehen und wenden" kann. Im Durchschnitt kommt ein "normaler" Mensch mit einem "Wendekreis" von 60 cm aus. Bei älteren Menschen mit Gehhilfen steigt der Radius auf 120 cm, bei Rollstuhlfahrern auf 150 cm. Gerade bei der Möblierung der neuen Heimwohnung sollte darauf geachtet werden.

Ergonomische Barrieren

Zitternde Hände, eine gesunkene Feinmotorik, mangelnde Beweglichkeit und weniger Körperkraft erschweren den Umgang mit Alltagsgegenständen. Mit der gezielten Suche geeigneter Gebrauchsgegenstände kann man die Lebensqualität von Senioren deutlich erhöhen. Dazu gehört die Auswahl, "griffiger" und "kompakter" Produkte für Geschirr und Besteck. Bei elektrischen Geräten ist auf große Schalter zu achten. Gerade bei Handys und Fernsehern machen zu kleine Tastaturen den Senioren das Leben schwer. Und wer seinen Angehörigen eine Freude machen will, befreit die neu erworbenen Gegenstände nach dem Kauf selbst von der aufgeschweißten Kunststoffhülle.

Anthropometrische Barrieren

Damit ist die Nichterreichbarkeit gemeint, wenn z.B. Griffe oder Schalter durch geringe Körpergröße oder eingeschränkte Beweglichkeit nicht mehr bedient werden können. Hier kann etwa das einfache Versetzen eines Lichtschalters oder das Tiefersetzen eines Badschränkchens den Alltag vereinfachen.
Für bettlägerige Patienten werden anthropometrische Barrieren oft zum zentralen Problem. Trinkgläser, Medikamente, Essgeschirr und wichtige Pflegehilfsmittel müssen immer so angeordnet sein, dass sie vom Patienten bequem zu erreichen sind. Hier helfen am Bett angebrachte Schwenkarme mit entsprechenden Ablagen. Für Fernseher und Radio müssen selbstverständlich Fernbedienungen vorhanden sein.

Sensorische Barrieren

Durch die nachlassende Funktionsfähigkeit von Augen oder Ohren kommt es bei vielen alten Menschen zu einer eingeschränkten Orientierungsfähigkeit. Ein Umstand, dem in Seniorenheimen Rechnung getragen werden muss. Hinweise sollten generell über mehrere "Kanäle" der Wahrnehmung gesendet werden, also über optische, akkustische und taktile Signale. Mindestens zwei der drei Möglichkeiten sollten genutzt und möglichst deutlich gestaltet sein. So sollten Hinweisschilder immer mit großen Buchstaben und starken Kontrasten arbeiten.

Alltagshilfen

Die Selbständigkeit von Senioren kann auch durch geeignete Hilfsmittel verbessert werden. So gibt es fast für jede Lebenslage geeignete Bewegungshilfen. Etwa sogenannte "Katapultsitze", die beim Aufstehen helfen. Badewannenlifte erleichtern das Ein- und Aussteigen beim Wannenbad. Mit Gehhilfen vom Rollgestell bis zum Elektro-Scooter kommen auch stark eingeschränkte Senioren noch gut voran.

Der Teufel sitzt meist im Detail, deshalb wurden und werden auch zunehmend praktische Lebenshilfen für spezielle Alltagsbereiche entwickelt. So zum Beispiel rutschfeste Frühstücksbrettchen, Aufsteckgriffe für Besteck oder Stifte oder langstielige Kehrsets. Auf folgendem Portal können Sie sich eine Übersicht über die große Palette der Alltagshilfen für Senioren verschaffen.
http://www.proaktivo.de